Die offene Flanke der Freiheit

Hier klicken, um diese Seite auszudrucken! Diese Seite drucken

Ein klares Bekenntnis zum liberalen Konservatismus
Die offene Flanke der Freiheit
Peter Lang Verlag, Frankfurt 2001
174Seiten, 18,40 Euro

»Kein Geringerer als Alexis de Tocqueville hat auf die ständig drohende Verwundbarkeit der freiheitlichen Demokratie hingewiesen. Laut Klaus Hornung, dem emeritierten Politikwissenschaftler der Universität Hohenheim, hat der große Franzose sogar einen. Despotismus neuer Art inmitten des demokratischen Zeitalters prognostiziert.

Dabei stellte die Geschichte augenfällig unter Beweis, dass sich der die Freiheit des Menschen negierende politische Messianismus als einer der gefährlichsten Feinde der liberal verfassten Gemeinwesen erwiesen hat. Im Anschluss an den israelischen Ideenhistoriker Jakob Talmon geht der Verfasser davon aus, dass es das Übel des Messianismus ist, in unserer unvollkommenen Welt absolute Forderungen durchsetzen zu wollen. Der Messianismus leugne die Erbsünde und erkühne sich, der Menschheit eine paradiesische Zukunft zu versprechen. Dabei erweise er sich als unfähig, „zwischen dem Reich Gottes und den irdischen Ordnungen angemessen unterscheiden zu können“. Was die Geschichte des Messianismus betrifft, so zieht sich die Spur seiner Denker und Akteure von Rousseau und Robespierre von Karl Marx bis zu Lenin und Stalin. Mit gutem Recht weist Hornung darauf hin, dass es zwischen dem sowjetischen und dem nationalsozialistischen Herrschaftssystem mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt. So sei nicht nur der Sowjetkommunismus, sondern auch das Deutschland Adolf Hitlers dem politischen Messianismus verpflichtet gewesen. Beide wurzeln dem Verfasser zufolge in einem politisch-messianischen Sendungs- und Heilsglauben, durch den sie auch ihren Terrorismus, Genozid und Soziozid legitimieren. „Beiden ging es um das harte Entweder- oder: Marxismus oder kapitalistische Bourgeoisie, nordische Rasse oder die Juden.“ Dabei verweist der Verfasser nicht nur auf die pseudodemokratischen Merkmale der Sowjetherrschaft, er hebt auch die des Nationalsozialismus ans Licht.

Was die Gegenwart betrifft, so warnt der Autor davor, einer erneuten totalitären Versuchung zu erliegen. Für ihn bietet vor allem das heute grassierende technokratische und ökonomistische Denken keinerlei Gewähr, totalitäre Infektionen im Keim ersticken zu können. Wenn einer Wirtschaftsordnung das Wort geredet werde, die sich als „Haifisch-Kapitalismus“ zu erkennen gibt, brauche man sich nicht zu wundern, wenn die Marxisten ihr negatives Bild von der Marktwirtschaft bestätigt sehen. In einer dem schrankenlosen Egoismus frönenden Gesellschaft, die sich aller überindividuellen Bindungen entledigt hat, sei der „Selbstzerstörung der freiheitlichen Demokratie“ Tür und Tor geöffnet.

Hornung gehört keineswegs zu den Autoren, die dem ökonomischen Faktor jeglichen Einfluss auf den politischen Prozess absprechen. Sein Hinweis auf die destruktiven Tendenzen des Turbokapitalismus stellt dies unter Beweis. Allerdings lehnt er mit aller Entschiedenheit den monokausal-ökonomistischen Erklärungsansatz des Marxismus ab. Alles in allem ist die Abhandlung ein dezidiertes Bekenntnis zum liberalen Konservatismus.«

Johann Baptist Müller, Stuttgarter Nachrichten 12. April 2002


©