Sackgassen

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Klaus Hornung: „Wege aus den Sackgassen“
Aton-Verlag, Unna

»WERTVOLLE KOMPASSNADEL
Analyse der Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte und Reformtips

Welcher mittelständischer Unternehmer in Deutschland spürt nicht, daß es im Gebälk der Republik gewaltig kracht, und daß er selbst und sein Betrieb schon bald ein Opfer des augenblicklichen Niedergangs des eigenen Landes werden könnte. Da mögen die Agenda 2010 und die Ergebnisse von ein paar Kommissionen ein wenig Hoffnung geben, doch einen Aufbruch zu neuen Ufern erwarten davon bisher nicht gerade viele Unternehmer. Zu gering sind die Lenkbewegungen, mit denen der „Karren" gewendet werden soll. Professor Hornung betitelt sein neues Buch deshalb auch wohlbedacht „Wege aus den Sackgassen", weil er damit sagen will, daß es mit ein paar anpassenden Kurskorrekturen nun nicht mehr getan ist. In einer Sackgasse, so Hornung, hilft nur noch eine Kehrtwende.

Das Buch besteht aus 16 Vorträgen und Aufsätzen, die Professor Hornung in den vergangenen zehn fahren gehalten und geschrieben hat. Er zeigt auf, wie Menschen in den letzten zwei Jahrhunderten aus vergleichbaren Sackgassen herausgefunden haben. Er schildert Reformer und Reformen von Scharnhorst über Droysen, de Tocqueville, Bismarck, Weber, Beck, den Kreisauer Kreis bis hin zu Adenauer und Ludwig Erhard. Damit läßt er die Dimensionen deutlich werden, um die es dabei geht. Schon oft hat Deutschland in wirtschaftlichen, außen- oder sozialpolitischen, demographischen und Wertekrisen gesteckt und aus ihnen auf dem Wege von Reformen herausgefunden.

Hornungs Buch läßt erkennen, daß die Probleme unseres Landes miteinander eng verwoben sind. Was mit einem negativen Wertewandel angefangen hat, schlägt zum Ende schädlich auf die Leistungskraft von Wirtschaft und Sozialstaat durch. Professor Hornung analysiert die vielen Fehlentwicklungen der vergangenen Jahrzehnte: die falschen Lehren der Kommunisten, der Nationalen Sozialisten und der Wohlfahrtsstaat und die überzogenen Gruppeninteressen, den Multi-Kulti-Wahn und die Demontage der schützenden Gefüge, wie sie das Volk und die Familie bilden, die Verächtlichmachung der bürgerlichen Tugenden, die einst das Fundament

für Wohlstand und Sozialstaat wahren, die Bevormundung der Bürger und der Unternehmer durch viele Medien, Parlamente und Parteien und nicht zu vergessen, der Mangel an einer gemeinsamen Identität, die sich aus der Geschichte vor 1933 speisen könnte. Ohne Wurzeln in der eigenen Geschichte, in den Traditionen, Religionen, in konstruktiven Tugenden und ohne emotionale Bindungen an Volk, Familie und Gesellschaft ist - wie sich nun zeigt -„kein Staat zu machen.“

So ist es bei unserer heutigen Krise mit ein paar kleinen „Agenda-Korrekturen“ nicht getan. Es wird - so Hornung - bei einer Umkehr aus der Sackgasse auch wieder ein neuer Wertewandel nötig sein. Es wird das Gemeinwohl wieder Vorrang vor den Forderungen der Interessen-Gruppen haben müssen. Es muß mehr Freiheit für die geben, die Brot und Arbeit schaffen wollen, und mehr Freiheit auch für jene, die jenseits der political correctness denken, reden oder schreiben wollen. Die von vielen Medien, Interessengruppen und Parteien ausgeübte political-correctness-Zensur und das Mobben der Bürgerlich-Konservativen, die „politisch unkorrekt“ geredet und geschrieben haben, waren ein Stück weit der Verlust von Freiheit, der unser Land erst in die Sackgasse hat fahren lassen.

Man kann das Buch „Wege aus den Sackgassen“ gut kapitelweise in beliebiger Reihenfolge lesen. Das Buch verliert auch nichts an Wert, wenn man einmal ein Kapitel überspringt, zu dem man nicht sofort den Zugang findet. Jedes Kapitel regt zum Nachdenken und zur Besinnung an, und fast jedes drängt Vergleiche von Vergangenheit und Gegenwart auf. Der Leser wird viele Denkanstöße und Orientierungen weit oberhalb der Ebene der Stammtischdiskussionen finden. Der historisch weniger beschlagene Leser darf sich von der Erwähnung so vieler Philosophen, Wirtschaftstheoretiker und Politiker der Vergangenheit nicht verunsichert fühlen. Er wird bald merken, daß alles Unglück schon einmal dagewesen ist, und daß unser Volk und unser Land noch jedes Mal die Umkehr aus den Sackgassen geschafft haben. Dieses wertvolle Buch ist kein Rezeptbuch für den nötigen Wandel, doch eine Kompassnadel.«

S.-R., Der Selbständige 3/4 2003, Dortmund


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